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Essen wir die Welt kaputt?




 Einleitung

Immer mehr Menschen erkennen, dass wir durch den hohen Verbrauch von tierischen Nahrungsmitteln millionenfaches Leid erzeugen, unsere Gesundheit schädigen und uns einer Zukunft auf diesem Planeten berauben. Notwendig ist deshalb eine neue Ethik in der Ernährung.
Mehr und mehr Konsumenten fühlen sich unwohl beim Verzehr von Fleisch und überdenken deshalb ihre Ess- und Lebensgewohnheiten. Sind uns doch die Bilder nur zu deutlich vor Augen, die uns in den Medien mit dem erschreckenden Ausmaß des Leidens der »Nutztiere« konfrontieren. Es stellt sich die Frage: Was darf der Mensch? Sind Tiere lediglich eine Ressource, derer wir uns nach Belieben bedienen dürfen?

Darüber hinaus belegen immer neue Erkenntnisse die Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch tierische Lebensmittel. Galt Fleisch noch vor wenigen Jahren als Kraftmacher, werden Milch und Joghurt bis heute für gesund gehalten, so wird mittlerweile immer häufiger auf die Gefahr von zu viel tierischem Eiweiß in unserer Ernährung hingewiesen. Neue Studien zeigen: Vegetarier sind zumeist gesünder und körperlich fitter als die sich »normal« ernährende Bevölkerung.

Neben ethischen Aspekten und dem Wunsch nach Gesundheit stellt sich außerdem die Frage nach unserer Verantwortung gegenüber der Umwelt.

Jeder von uns kann dazu beitragen, die Situation zu verbessern. Auch ein kleiner Schritt in die richtige Richtung ist ein wichtiger Schritt.


 Intensive Tierproduktion - nicht nur ein ökologischer Wahnsinn

Als Folge des enormen Verbrauchs von tierischen Produkten werden unsere landwirtschaftlichen »Nutztiere« unter immer extremeren Bedingungen gehalten. Dies ist nicht nur auf unseren ausufernden Fleischkonsum zurückzuführen, sondern auf den Verbrauch aller tierischer Erzeugnisse, wie z. B. von Milchprodukten, Eiern und tierischen Nebenprodukten wie Gelatine. Die hohe Besatzdichte der Tiere auf engstem Raum nimmt auf ihre natürlichen Bedürfnisse keine Rücksicht: Permanenter Stress und Bewegungsmangel führen zu Verhaltensanomalien bis hin zum Kannibalismus. Um die Tiere vor Infektionen bzw. Seuchen zu schützen und ruhig zu stellen, werden sie mit Chemie-Cocktails aus Antibiotika, Hormonen und Psychopharmaka behandelt. Hunderte Millionen Rinder, Schweine, Schafe und Geflügeltiere werden in immer kürzerer Zeit schlachtreif gemästet. Nach oft tagelangen, qualvollen Transporten quer durch Europa werden sie schließlich im Akkord getötet. Geruch, Schreie und der Anblick sterbender Artgenossen versetzen die wartenden Tiere in Todesangst. Nicht selten erwachen sie zu früh aus der Betäubung oder werden nur unzureichend betäubt - dann erleben sie ihre beginnende Verarbeitung bei vollem Bewusstsein.

Weitere Probleme als Folge der Massentierhaltung ergeben sich für den Natur- und Umweltschutz: Durch die riesigen Mengen hochkonzentrierter Tierexkremente kommt es zu erheblichen Belastungen von Boden und Atmosphäre. In einstreulosen Ställen fällt kein fester Stallmist, sondern flüssige Gülle an. Die Folge ist eine Überdüngung der Böden, die mit einer Nitratverschmutzung des Grundwassers einhergeht. Außerdem werden die Kleinstlebewesen im Boden geschädigt und die Bodenfruchtbarkeit und Humusbildung deutlich reduziert.

Luftverschmutzende und klimaschädliche Gase werden sowohl bei der Zersetzung der Tierexkremente als auch aus den Mägen lebender Rinder freigesetzt. Für Regionen mit hoher Tierdichte ist in der Nähe von Intensivhaltungen eine Zunahme des Waldsterbens belegt.

Auf ähnliche Weise belasten die seit einigen Jahren boomenden Aquakulturen, in denen hohe Fischzahlen auf engstem Raum gehalten werden die Meere. Rückstände aus Medikamenten sowie Futterreste breiten sich im Meer aus. Diese Form der Fischproduktion läuft der traditionellen Fischerei zunehmend den Rang ab.

Getreideverschwendung durch Fleischproduktion - Kalorienumsatz von Weizen bei Verwendung für:

Brot (direkte Nahrung) 1 : 1
Schweinefleisch 3 : 1
Eier 4 :1
Milch 5 : 1
Rindfleisch 10 : 1
Hühnerfleisch 12 : 1


 Fleisch frisst Menschen

»Global betrachtet bevölkern gegenwärtig etwa 1,3 Milliarden Rinder die Erde. Sie beweiden fast 24 % der Landfläche unseres Planeten und konsumieren Getreide in einer Menge, die ausreichen würde, um Hunderte Millionen Menschen zu ernähren« (Rifkin, J.: 1992). Das funktioniert nur, wenn »Drittweltländer« Futtermittel (Soja, Getreide) exportieren und so die eigene - ohnehin problematische - Ernährungssituation verschärfen. Über die Umwandlung der pflanzlichen Nahrung in Fleisch und andere tierische Produkte gehen etwa 90 % des Energiegehaltes verloren. Die Tiere werden in unseren Erzeugerbetrieben oft mit pflanzlichem Protein gefüttert, das für den direkten menschlichen Verzehr geeignet wäre. Soja und Getreide als Futtermittel bedeuten keine »Veredelung«, sondern Verelendung. »Gut 40 % der Weltgetreideernte, dazu 40-50 % der weltweiten Fischereierträge sowie 25-40 % der Molkereiprodukte werden als Tierfutter verwendet.

Aufgrund staatlicher Enteignungsmaßnahmen befindet sich ein großer Teil der landwirtschaftlichen Nutzflächen in Süd- und Mittelamerika im Besitz weniger Großgrundbesitzer, die auf ihnen gewinnbringend Futtermittel für die westlichen Industrieländer produzieren. Um ihre Familien weiterhin ernähren zu können, holzen die enteigneten Kleinbauern auf der Suche nach neuem Ackerland Regenwälder ab. Wenn sie nach wenigen Jahren weiterziehen, ist als Folge dieses Raubbaus der Regenwald unwiederbringlich verloren.


 »Milch macht müde Männer munter« und andere Unwahrheiten

Der Lebensmittelindustrie ist es nach dem Zweiten Weltkrieg gelungen, einen Mythos über den angeblichen Gesundheitswert von Fleisch und Milchprodukten zu erschaffen. Fleisch wurde zum Inbegriff für körperliche Leistungsfähigkeit, Milch für ausgewogene Ernährung und Gesundheit.

Zahlreiche Untersuchungen belegen das Gegenteil, sie werden aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht verbreitet. Unsere Anatomie weist zahlreiche Übereinstimmungen mit den Frucht- und teilweise auch Pflanzenessern unter den Tieren auf. Unsere nächsten Verwandten im Tierreich sind die Großen Menschenaffen. Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Bonobos ernähren sich fast immer vegetarisch. Zahlreiche Unterschiede trennen uns hingegen von den Fleischessern, z. B. die Gebissstruktur sowie die Zusammensetzung von Magensäure und Speichel. Darüber hinaus ist unser Darm als Pflanzenesserdarm so lang, dass es bei der Verdauung von Fleisch zu Fäulnisprozessen kommt. Die toxischen Abfallstoffe können zu Vergiftungen führen.

Die durch die Massentierhaltung verursachten Krankheiten wie BSE und zahlreiche andere, durch Viren, Bakterien und Würmer verursachte Seuchen sind auch für die menschliche Gesundheit eine Bedrohung. Weitere Rückstände im Fleisch sind z.B. auf die Verabreichung von antimikrobiellen Leistungsförderern, anderen Medikamenten und Beruhigungsdrogen zurückzuführen.

Ebenso sind Milchprodukte, neben Milch auch Käse, Joghurt, Butter etc., für unsere Ernährung ungeeignet. Es handelt sich um Muttermilch für Kälber, nicht um ein Nahrungsmittel für Menschen. Kuhmilch weist eine andere Zusammensetzung auf als menschliche Muttermilch. Deshalb werden häufig Unverträglichkeiten nachgewiesen, und von einer Ernährung von Kleinkindern mit Milchprodukten wird zunehmend auch von der Schulmedizin abgeraten.

Keine andere Spezies ernährt sich von der Muttermilch anderer Tierarten - noch dazu im Erwachsenenalter. Ein führender Ernährungsspezialist, der Amerikaner John A. McDougall, bezeichnet sie als »flüssiges Fleisch«. Milchprodukte sind reich an Fett und Cholesterin und tragen zur Entstehung von Herzerkrankungen und bestimmten Krebsarten, sowie einem erhöhtem Schlaganfall-Risiko bei.


 Vegetarisch leben ist einfach gesünder!

Die gesundheitlichen Vorteile einer vegetarischen Ernährung sind mittlerweile anerkannt. Zahlreiche Zivilisationskrankheiten sind auf eine Überversorgung mit tierischem Eiweiß und Fett zurückzuführen. Dieses Risiko wird durch eine vegetarische Ernährung deutlich reduziert. Vegetarisch lebende Menschen weisen gegenüber der Fleisch essenden Normalbevölkerung einen deutlich besseren Gesundheitszustand auf (»Studien mit Vegetariern«, 1993). Schon die altgriechischen Philosophen wie Sokrates, Plato und Aristoteles wie auch die indischen Yogis und die Meister des Buddhismus haben seit jeher zum Fleischverzicht geraten, wenn man innere Ruhe und Ausgeglichenheit erreichen will.

Kritischer wird bis heute die vegane (rein pflanzliche oder rein vegetarische) Ernährung beurteilt. Es gibt Bedenken, inwieweit die Versorgung mit allen erforderlichen Nährstoffen in ausreichendem Umfang gesichert ist.

Die Fakten aber sprechen eine andere Sprache: Immer mehr Ernährungswissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass eine ausgewogene vegane Vollwertkost die Gesundheit sogar fördert. Weltweite Studien haben bewiesen, dass bei allen Altersgruppen eine ausreichende Eiweiß- und Energiezufuhr gewährleistet ist.

So werden z.B. nur bei veganer Ernährung die nationalen und internationalen Richtwerte für den Eiweißverzehr eingehalten, während es bei einer fleischzentrierten Ernährungsweise häufig zu einer ungesunden Überversorgung kommt. Tierisches Eiweiß kommt zumeist in Verbindung mit den als schädlich angesehenen gesättigten Fettsäuren vor, pflanzliches Protein hingegen zusammen mit den wichtigen Ballaststoffen.

Darüber hinaus trägt der hohe Anteil an frischem Obst und Gemüse zu einer sehr guten Mineralstoff- und Vitaminversorgung bei. Die Calciumzufuhr liegt bei vegan lebenden Menschen etwas unter dem empfohlenen Optimum. Der menschliche Körper passt sich aber einer niedrigeren Zufuhr an. Bisher gibt es keine Berichte über Calciummangel bei erwachsenen Veganern. Die einzigen drei in der medizinischen Fachliteratur aufgeführten Fälle von Calciummangel bei Kindern traten nur bei extrem einseitigen, auf wenige Nahrungsmittel beschränkten Ernährungsweisen auf, die nicht der bei Veganern üblichen abwechslungsreichen Nahrungszufuhr entsprachen.

Studien belegen, dass die Eisenversorgung bei einer ausgewogenen veganen Ernährung unproblematisch ist. Eisenmangel tritt bei sich vegan ernährenden Menschen nicht häufiger auf als in der übrigen Bevölkerung. Die Eisenzufuhr durch die vegane Ernährung beträgt im Schnitt sogar das Doppelte der für die Normalbevölkerung empfohlenen Menge.

Etwas anders sieht es beim umstrittenen Vitamin B12 aus. Der Körper braucht nur eine geringe Menge dieses Vitamins und ist in der Lage den Verbrauch zu senken, wenn das Angebot knapp ist. Vitamin B12 kommt fast ausschließlich in tierischen Nahrungsmitteln vor. Es gibt jedoch zahlreiche angereicherte vegane Nahrungsmittel und Nahrungszusätze. Ein ernährungsbedingter Mangel dieses Vitamins kommt - obwohl oft genannt - bei Veganern nur selten vor. Häufiger tritt er in der Gesamtbevölkerung jedoch bei Allesessern auf, denen der für die Resorption von B12 notwendige, sogenannte Intrinsic factor fehlt.


 Schöne, neue Welt?

Die Ausbeutung der Tiere gehört zu unserem Alltag. Wir werden allerdings nicht gerne damit konfrontiert - sie geschieht im Verborgenen. Überzüchtete Hochleistungskühe, Schweine und Mastgeflügel mit deformierten Gelenken, nach ihren Kälbern schreiende Mutterkühe, in engsten Drahtkäfigen eingepferchte Hühner, tagelange Tiertransporte und stundenlange Todesangst vor der Schlachtung: all das geschieht millionenfach jeden Tag.

Es gibt Menschen, die damit kein Problem haben. Sie halten das Hinterfragen dieser Zustände für ein Zeichen von Naturentfremdung. Sie sagen, der Mensch habe sich seit jeher von Tieren ernährt. Abgesehen davon, dass dies aufgrund unserer evolutionären Abstammung nicht richtig ist: Der Mensch hat auch immer blutige Kriege geführt. Müssen wir das deshalb als Bestandteil unserer Natur für immer bejahen? Es geht nicht um unsere biologische Vergangenheit - es geht vielmehr um unsere Chance, uns in Zukunft ethisch weiterzuentwickeln!

Heute muss jeder für sich entscheiden, wie er dazu steht: Dürfen wir Tiere töten? Dürfen wir sie leiden lassen? Dürfen wir all das auch, wenn tierische Produkte für unsere Gesundheit nicht erforderlich, ja teilweise sogar abträglich sind? Können wir wirklich die Verantwortung dafür übernehmen?


 Zitate

»Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.«
Leo Tolstoi

»Studien mit Veganern, die weltweit, aber auch von uns durchgeführt wurden, zeigen, dass Veganer im Durchschnitt deutlich gesünder sind als die allgemeine Bevölkerung. Körpergewicht, Blutdruck, Blutfett- und Cholesterinwerte, Nierenfunktion sowie Gesundheitsstatus allgemein liegen häufiger im Normalbereich«
Prof. Claus Leitzmann, Universität Giessen

»Ich esse nichts, was ein Gesicht hat.«
Paul McCartney

»Die Frage ist nicht: Können sie denken? Können sie sprechen? Sondern: Können sie leiden«
Jeremy Bentham, 1789


 Weiterführende Literatur:

Christian Opitz Ernährung für Mensch und Erde Hans-Nietsch-Verlag, Waldfeucht, 1995
Vegetarier-Bund Deutschlands Studien mit Vegetariern 2. Auflage, Echo-Verlag, Göttingen, 1996
Quelle: Vegetarier-Bund Deutschlands e.V.
Gill Langley Vegane Ernährung Echo-Verlag, Göttingen, 1999
Claus Leitzmann, Andreas Hahn Vegetarische Ernährung Verlag Eugen Ulmer Stuttgart, 1996
Kath Clements Vegan - Über Ethik in der Ernährung & die Notwendigkeit eines Wandels Echo-Verlag, Göttingen, 1996
Wolfgang Spiller Macht Kuhmilch krank? Waldthausen Verlag, Ritterhude, 1995
Jeremy Rifkin Das Imperium der Rinder Campus Verlag, Frankfurt, 1994
(erhältlich bei zweitausendeins)
Ursula Wolf Das Tier in der Moral Vittorio Klostermann, Frankfurt, 1990


 Was können Sie tun?

Verändern Sie Ihre Essgewohnheiten. Es gibt heute eine Fülle vegetarischer Kochbücher, die es Ihnen leicht machen, ohne Fleisch auszukommen. »Bio-Fleisch« mag viele der aufgeführten Umweltprobleme mindern - immer aber ist es verbunden mit dem gewaltsamen Tod des Tieres.
Ein weiterführender Schritt ist die vegane, also rein pflanzliche Ernährungsweise. Ohne die Nutzung tierischer Produkte wären die Menschen gesünder, die Umwelt weniger belastet und die Tiere könnten dann anderes sein als eine dem Menschen frei verfügbare Ressource.
Wenn Sie sich gerne ausführlicher zu diesem Thema informieren möchten, wenden Sie sich an uns. Wenn Sie möchten, zeigen wir Ihnen gern Möglichkeiten auf, wie Sie noch weiter aktiv werden können.


Text: Kirsten Heinzel, Lars Thomsen

Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
Diese Seite generiert am 18. März 2010
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