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Zusammenfassung Jahr für Jahr werden an medizinischen und biologischen Fakultäten in aller Welt Tiere getötet, um ihren Aufbau und Organfunktionen zu studieren. Dabei wird den Studenten längst bekanntes Wissen vermittelt. Tierverbrauchsfreie Lehrmethoden wie Computermodelle stehen in großer Anzahl zur Verfügung, werden aber größtenteils immer noch nicht eingesetzt. In der Ukraine steht man diesen modernen Lehrmitteln sehr aufgeschlossen gegenüber. Doch während es vielen deutschen Hochschullehrern am Willen zur Reform fehlt, mangelt es den ukrainischen Hochschulen vor allem an den Finanzmitteln.
Der Bundesverband Menschen für Tierrechte will an zwei Hochschulen in Charkiw, der zweitgrößten Stadt der Ukraine, vier studentische Kurse mit Computern und anderen Alternativen ausstatten und so pro Jahr mindestens 1.200 Tiere retten. Das Projekt soll auch als Signal an Hochschullehrer in Deutschland dienen, endlich die Zeichen der Zeit zu erkennen und auf eine tierfreundliche Unterrichtsgestaltung umzustellen.
Prominente Unterstützerin des Projektes ist Ruslana, Gewinnerin des Eurovision Song Contest 2004.
Tierverbrauch im Studium - Situation in Deutschland Jedes Jahr werden bundesweit mehr als 60.000 Tiere allein für den Pflichtteil der studentischen Ausbildung der drei Studienfächer Biologie, Veterinär- und Humanmedizin getötet. Das Aufschneiden von toten Tieren sowie Versuche an toten oder lebenden Tieren sollen Studierenden Grundbegriffe der Baupläne von Tieren und die Funktion von Organen vermitteln.
Wer sich aus Gewissensgründen weigert, an diesem sogenannten »Tierverbrauch« (1) teilzunehmen, bekommt keinen Leistungsnachweis und kann das Studium nicht erfolgreich absolvieren. Für etliche Studierende ist der tierexperimentelle Bestandteil des Studiums eine erhebliche Gewissensbelastung und nicht selten kommt es zum Studienabbruch. In der Vergangenheit haben auch immer wieder Studierende versucht, durch gerichtliche Auseinandersetzung mit den Universitäten ihr Studium im Einklang mit ihrem Gewissen zu absolvieren. Allerdings waren nur einige wenige von ihnen erfolgreich.
Laut §10 Tierschutzgesetz dürfen »Eingriffe und Behandlungen zur Aus-, Fort- und Weiterbildung« nur durchgeführt werden, wenn »ihr Zweck nicht auf andere Weise, insbesondere durch filmische Darstellung, erreicht werden kann«. Nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts, bestätigt durch das Bundesverfassungsgericht, fallen auch Eingriffe an eigens für diese Zweck getöteten Tieren darunter, da der mit dem schwersten Schaden verbundene Eingriff die Tötung eines Tieres ist (BVerwG 6 C 5.96 und BvR 1834/97).
Tierverbrauchsfreie Lehrmethoden stehen in großer Anzahl zur Verfügung. So kann der Aufbau von Organismen an Modellen, plastinierten, das heißt, in einen plastikartigen Zustand überführten Organen und Tieren sowie an natürlich gestorbenen Tieren studiert werden. Für das Studium der Körperfunktionen eignen sich zum Beispiel Computersimulationen und schmerzlose Selbstversuche.
Die jahrelangen studentischen Proteste haben zu einigen positiven Veränderungen an den bundesdeutschen Lehranstalten geführt. So verzichtet mittlerweile die Hälfte der 36 humanmedizinischen Fakultäten auf die verpflichtende Teilnahme an »tierverbrauchenden« Übungen. An den meisten tiermedizinischen Fakultäten kann inzwischen mit erheblich geringerem »Tierverbrauch« studiert werden, als noch vor 15 Jahren. Im Fachbereich Biologie gelten jedoch solche Praktikumsaufgaben auch weiterhin größtenteils als unabdingbar.
Während Jahr für Jahr Hunderte von Studierenden erfolgreich in den reformierten Praktika ausgebildet werden, beharren viele Professoren allerdings weiterhin auf ihre »tierverbrauchenden« Lehrmethoden. Was an einigen Universität als unverzichtbar gilt, scheint an anderen unnötig zu sein. Da aber an allen Fachbereichen der jeweils gleiche Abschluss, also der jeweils gleiche Qualifikationsnachweis vergeben wird, kann von der Notwendigkeit der einzelnen Übungen keine Rede sein.
(1)Unter »Tierverbrauch« sind alle Versuche und Übungen zu verstehen, die mit Schmerzen, Leiden oder Schäden für Tiere verbunden sind, also auch Versuche an eigens zu diesem Zweck getöteten Tieren oder Teilen von ihnen.
Tierverbrauch im Studium - Situation in der Ukraine»Tierverbrauchende« Übungen werden in der Ukraine in den Fachbereichen Medizin, Tiermedizin, Pharmakologie, Biologie und Biologie-Lehramt in noch wesentlich größerem Umfang als in Deutschland durchgeführt, da hier Tierversuche auch in Kursen zur Pharmakologie, Toxikologie sowie Chirurgie üblich sind.
Im Unterschied zu deutschen Hochschullehrern sind die ukrainischen Kollegen allerdings Alternativen sehr aufgeschlossen gegenüber - wenn sie von diesen erfahren. Hinderungsgrund für eine studenten- und tierfreundliche Praktikumsgestaltung sind in der Ukraine vor allem Informations- und Geldmangel.
Aus finanziellen Gründen sind die Haltungsbedingungen für die Tiere zum Teil katastrophal. Mitunter werden Tiere, die Versuche überleben, sogar mehrfach verwendet, auch wenn sie z.B. durch Giftigkeitstests bereits schwer geschädigt sind.
In der Ukraine ist am 21. Februar 2006 das erste Tierschutzgesetz des Landes in Kraft getreten. Dieses beinhaltet eine besonders fortschrittliche Vorgabe, nämlich die Gewissensfreiheit für Studenten:
»Es ist verboten, bei Praktika während der Ausbildung Studenten Eingriffe ausführen zu lassen, die zu Verletzung oder Tod eines Tieres führen, wenn dies gegen die religiösen oder moralischen Prinzipien des Studenten spricht. In diesem Fall müssen die Eingriffe durch alternative Aufgaben ersetzt werden.«
Die Gewissensfreiheit ist sonst nur noch in Italien gesetzlich verankert. In Schweden und den Niederlanden können Studierende durch einen schriftlichen Antrag vom Tierverbrauch ausgenommen werden. Erfahrungen aus diesen Ländern zeigen jedoch, dass die Studenten nichts von dieser Möglichkeit wissen und bei den Versuchen mitmachen, obwohl sie es nicht müssten. Gleiches ist von der Ukraine anzunehmen, vor allem, weil das Gesetz noch so neu ist.
Projekt: Computer statt Tiere Die Praktikumsleiter an vier Instituten zweier Hochschulen in der ostukrainischen Stadt Charkiw sind bereit, ihre Kurse auf moderne, tierverbrauchsfreie Lehrmethoden umzustellen:
 |  |  | Universität Charkiw, Biologische Fakultät, Institut für Physiologie, Chirurgiekurs
Chirurgische Übungen an Ratten
Zu ersetzende Tiere: 50 Ratten pro Jahr
Benötigte Alternativen: 1 moderner Computer, 1 gebrauchter Computer, Videokamera
|  | Universität Charkiw, Biologische Fakultät, Institut für Physiologie, Physiologie-Kurs
Tötung von Fröschen mit der Schere, Experimente an den Muskeln und Nerven der Frösche
Zu ersetzende Tiere: 150 Frösche pro Jahr
Benötigte Alternativen: 5 gebrauchte Computer
|  | Zooveterinär Akademie Charkiw, Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Pharmakologie- und Toxikologie-Kurs
Demonstration der Wirkung von Wirkstoffen auf Tiere
Zu ersetzende Tiere: 30 Kaninchen, 60 Meerschweinchen, 600 Ratten pro Jahr, manchmal Hunde/Katzen
Benötigte Alternativen: 15 gebrauchte Computer, Software, In-vitro-Geräte
|  | Zooveterinär Akademie Charkiw, Institut für Physiologie, Physiologie-Kurs
Tötung von Fröschen mit der Schere, Experimente an den Muskeln und Nerven der Frösche
Zu ersetzende Tiere: 300-400 Frösche pro Jahr
Benötigte Alternativen: 7 gebrauchte Computer, Software |
Der Bundesverband Menschen für Tierrechte will die nötigen Finanzmittel aufbringen, um die vier Kurse mit alternativen Lehrmethoden auszustatten und ruft daher zu Spenden auf. Pro Jahr können so 450 bis 550 Frösche, 650 Ratten, 60 Meerschweinchen, 30 Kaninchen sowie einige Hunde und Katzen gerettet werden. Benötigt werden: rund 30, größtenteils gebrauchte Computer, Software und eine Videokamera.
Durch den direkten Kontakt, den unsere Mitarbeiterin Dr. Corina Gericke in die Ukraine hat, ist sichergestellt, dass das Geld auch wirklich für diese Zwecke verwendet wird und die Geräte an Ort und Stelle ankommen.
Weiterhin sollen Studenten in der Ukraine über ihr Recht auf Gewissensfreiheit informiert werden, um so einer Desensibilisierung der Nachwuchswissenschaftler entgegenzuwirken. Schließlich soll das Projekt ein positives Signal für deutsche Universitäten sein, ebenfalls auf tierverbrauchsfreie Lehrmethoden umzustellen.
Schirmherrin RuslanaRuslana, Gewinnerin des Eurovision Song Contest 2004, ist in der Ukraine seit Jahren ein Superstar. Sie ist Sängerin, Tänzerin, Produzentin, Komponistin, studierte Dirigentin und Pianistin und seit März 2006 auch noch Abgeordnete im ukrainischen Parlament, außerdem in diversen Wohltätigkeitsprojekten aktiv, insbesondere gegen Menschenhandel und für Tschernobyl-geschädigte Kinder, z.B. bei dem aktuellen Projekt von Peter Maffay »Begegnungen - Eine Allianz für Kinder«. Ruslana unterstützt das Projekt »Tiere statt Computer« aktiv.
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