Den Tieren Gerechtigkeit!
Diesen Bericht schickte Sabine Krüger, Mitglied bei Menschen für Tierrechte Tierschutzverein Dresden e.V.; sie organisierte einen Vortrag an der Hochschule Zittau.
Den Tieren Gerechtigkeit! Plädoyer für einen ethischen Umgang mit unseren Mitgeschöpfen,
gehalten von Dr. Ulrich Seidel, Pfarrer in Brandis bei Leipzig am 15.11.2006 in der Hochschule Zittau.
Das Angebot der Hochschule unserer Kreisstadt Zittau hatte gelautet:
Im Rahmen des Studiengangs »Studium fundamentale« könnte auch einmal über das Thema Mensch und Tier gesprochen werden. Ein Raum würde kostenlos zur Verfügung gestellt; den entsprechenden Referenten zu finden, wäre meine Sache.
Ich war hocherfreut, aber gleichzeitig voller Zweifel: Wer würde bereit sein, in unseren abgelegenen Südostzipfel zu kommen, um einen Vortrag zu halten? Und gab es überhaupt genügend Interessenten - wo doch die Menschen hier aufgrund von Arbeitslosigkeit und Abwanderung mit ganz anderen Problemen konfrontiert sind?
Nun, meine Bedenken erwiesen sich größtenteils als unberechtigt. Herr Dr. Seidel, 1. Vorsitzender von AKUT e.V., kam und gestaltete seinen Vortrag so lebendig und überzeugend, dass wohl keiner der Zuhörer unbeeindruckt blieb. Er erklärte kurz, wie stark griechisch-römische Antike und jüdisch-christliche Religion des abendländische Denken beeinflusst haben und wie Philosophen vom Schlage Renè Decartes die Kluft zwischen Tier und Mensch weiter vertieften. Decartes' mechanistische Auffassung der organischen Welt führte dazu, dass die Tiere als eine Art Maschine angesehen wurden. Unheilvoll sein »Cogito, ergo sum« - »Ich denke, also bin ich«. Müsste es nicht vielmehr heißen: »Sentio, ergo sum« - »Ich fühle, also bin ich«?
Nach Kopernikus war es vor allem Charles Darwin, der die Menschheit von ihrem selbstrichterlichen Thron herunterholte. Auch Sigmund Freud wurde in diesem Zusammenhang erwähnt. Und welche, fast möchte man sagen: Lichtgestalten waren Franz von Assisi und Albert Schweitzer!
Dr. Seidel stellte Schweitzers fundamentalen Satz vor uns hin: »Ich bin Leben, das Leben will, inmitten von Leben, das leben will«. Ehrfurcht vor dem Leben haben, auch vor dem des Schweins - ein Tier, das meistens nur wahrgenommen und geschätzt wird, wenn es auf unserem Teller liegt, aber ansonsten gerade gut genug ist als beleidigendes Schimpfwort. Oder als lustige Werbefigur, den eigenen Körper zum Schlachten anpreisend. Was für eine Verhöhnung! Das Schwein stand an diesem Abend gleichsam symbolisch für alle Tiere, deren Leben wir Menschen zu einer einzigen Qual machen und damit schwere Schuld auf uns laden.
Und noch etwas: Die Tiere werden in ganz unzulässiger Weise klassifiziert, nämlich nach ihrer Bedeutung und Verwendbarkeit für den Menschen. Die Auswirkungen sind oft katastrophal! Hüten wir uns vor solch anthropozentrischem Denken! Wir sind nur Teil eines harmonischen Ganzen, Teil der Schöpfung.
Natürlich ist es unmöglich, in ein oder zwei Stunden die ganze riesige Problematik des Mensch-Tier-Verhältnisses aufzurollen. Aber ich bin mir sicher, dass Dr. Seidel mit seinen leidenschaftlichen Worten Impulse gegeben hat, Impulse zum Nachdenken, vielleicht sogar zur Änderung des Lebensstils. Und ich danke ihm dafür.
Nach dem Vortrag hörten wir erschütternde Tierschreie und danach das Lied von Reinhard Mey: »Die Würde des Schweins ist unantastbar.« Den Abschluss gestaltete die Studentengruppe der Friedensdekade, indem sie gemeinsam mit uns Anwesenden den Kanon »Dona nobis pacem« sang und die Glauberger Fürbitte sprach. Zwei Bitten aus diesem Gebet sollen am Ende meines Berichtes stehen:
Und führe uns nicht in Versuchung,
deine Geschöpfe unseren Bedürfnissen anzupassen,
sondern erlöse uns von dem Bösen,
das uns von deinen Geschöpfen und damit von dir trennt.
Von Sabine Krüger
Großschönau/Oberlausitz
Mitglied bei Menschen für Tierrechte Tierschutzverein Dresden e.V. und AKUT e.V.
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